Wann muss ein Energieausweis vorgelegt werden?

Bei der Vermietung, Verpachtung oder beim Verkauf von Häusern, Wohnungen oder Geschäftsräumlichkeiten muss ein Energieausweis vorgelegt und ausgehändigt werden. Diese Pflicht trifft den Verkäufer bzw. den Vermieter oder Verpächter. Die Informationspflicht über den energietechnischen Zustand des Gebäudes gilt grundsätzlich bereits in Immobilieninseraten.
Zur Ausstellung eines Energieausweises sind explizit im Gesetz (Bundes- bzw. Landesregelungen zur Umsetzung der RL 2010/31/EU) genannte Berufsgruppen berechtigt. Diese sind z. B.: Ziviltechniker, Baumeister sowie Gewerbetreibende in den Bereichen Heizungstechnik, Elektrotechnik etc.
Die Kosten für die Erstellung eines Energieausweises sind nicht reguliert und reichen von rund €100,- bis €1.000,-. Sie richten sich nach der Größe der Immobilie, dem Verwendungszweck sowie den Serviceleistungen des Ausstellers.

Nutzung des Energieausweises:
Der Verkäufer, der Vermieter oder Verpächter eines Gebäudes muss potenziellen Käufern (Mietern oder Pächtern) einen höchstens zehn Jahre alten Energieausweis vorlegen.
Während der Vertragsverhandlungen reicht ein Zeigen des Energieausweises rechtzeitig vor Abgabe der Vertragserklärung, nach Vertragsabschluss muss dem Vertragspartner der Energieausweis (oder eine vollständige Kopie davon) innerhalb von 14 Tagen ausgehändigt werden.
Die Vorlage eines Energieausweises bei Errichtung eines Baus richtet sich nach den baurechtlichen Vorschriften des jeweiligen Bundeslandes. Wird aber schon im Errichtungsstadium (oder eventuell sogar noch davor) ein Verkaufs-, Vermietungs- oder Verpachtungsvertrag geschlossen, muss dem Käufer bzw. dem Mieter oder Pächter bereits ein Energieausweis vorgelegt werden.
Es ist nicht möglich die Pflicht zur Vorlage und Aushändigung eines Energieausweises kann nicht durch Vereinbarung (z. B. zwischen Verkäufer und Käufer) auszuschließen.
Beihilfen oder Förderungen (z. B. Wohnbauförderungen) können in den einzelnen Bundesländern von der Erstellung eines Energieausweises abhängig sein.

Ausnahmen:
Von der Informations-, Vorlage- und Aushändigungspflicht sind gemäß § 5 Energieausweis-Vorlage-Gesetz (EAVG) ausdrücklich folgende Gebäudekategorien ausgenommen:
§ 5.
Von der Informationspflicht nach § 3 sowie der Vorlage- und Aushändigungspflicht sind folgende Gebäudekategorien ausgenommen:
Gebäude, die nur frostfrei gehalten werden.
Im Verkaufsfall Gebäude, die aufgrund ihres schlechten Erhaltungszustands objektiv abbruchreif sind, sofern in einer allfälligen Anzeige nach § 3 das Gebäude als abbruchreif bezeichnet und im Kaufvertrag davon ausgegangen wird, dass der Käufer das Gebäude binnen dreier Jahre nach Vertragsabschluss abbrechen werde.
Gebäude, die ausschließlich für Gottesdienste und sonstige religiöse Zwecke genutzt werden.
Provisorisch errichtete Gebäude mit einer geplanten Nutzungsdauer von höchstens zwei Jahren. energieausweis
Industrieanlagen, Werkstätten und landwirtschaftliche Nutzgebäude, bei denen jeweils der überwiegende Anteil der für die Konditionierung des Innenraumklimas erforderlichen Energie durch die im Gebäude entstehende Abwärme aufgebracht wird.
Wohngebäude, die nach ihrer Art nur für die Benutzung während eines begrenzten Zeitraums je Kalenderjahr bestimmt sind und deren voraussichtlicher Energiebedarf wegen dieser eingeschränkten Nutzungszeit unter einem Viertel des Energiebedarfs bei ganzjähriger Benutzung liegt. 
Frei stehende Gebäude mit einer Gesamtnutzfläche von weniger als 50 Quadratmetern.

Rechtsfolgen:
Die in einem vorgelegten Energieausweis angegebenen Energiekennzahlen gelten unter Berücksichtigung der bei ihrer Ermittlung unvermeidlichen Bandbreiten als bedungene Eigenschaft im Sinne des allgemeinen Gewährleistungsrechts. Daneben haftet der Ausweisersteller dem Käufer oder Mieter unmittelbar für die Richtigkeit des Ausweises. Hier ist zu beachten, dass der Energieausweis nur Aussagen über den energietechnischen Zustand des Gebäudes trifft, nicht aber über einen bestimmten Energieverbrauch.
Bei Verletzung der Informations-, Vorlage- oder Aushändigungspflicht können gemäß § 9 EAVG Geldstrafen bis zu 1.450,- Euro verhängt werden.

Autor: Daniel Beck, BSc